Gegen das Vergessen

Gegen das Vergessen

14/07/2022 Aus Von Daniel Metz

Das Kickers Fanprojekt besuchte am 10. Juli die Gedenkstätte Grafeneck

Der Himmel über der Schwäbischen Alb hatte sich im schönsten Kickers-Blau gefärbt, als die Fans in Grafeneck angekommen waren. Das sonnige Wetter spielte mit und die idyllische Umgebung verrät bis heute auf den ersten Blick nicht, welch eine grausame Tragik auf ihr liegt. Hier wurden im Laufe des Jahres 1940 von den Nazis 10 654 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen systematisch ermordet.

„Jeder Mensch zählt – Egal auf welchem Platz“ lautete das Motto des diesjährigen Erinnerungstages im deutschen Fußball. Im beschaulichen Gomadingen wird klar, wie eindringlich dieser Appell ist. Salih Demirkol und Celina Löffler, die Mitarbeitenden des Fanprojekts und eine Gruppe engagierter Fans, erhielten eine umfassende Information über die mörderische Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten unter der zynischen Bezeichnung „Euthanasie“.

Die Nazis hatten diesen abgeschiedenen Ort in der Nähe des Haupt- und Landgestüts Marbach kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges für „Zwecke des Reichs“ beschlagnahmt. Die Aktion lief unter der Bezeichnung „T4“. Vorher betrieb hier die evangelische Samariter Stiftung aus Stuttgart ein Behindertenheim für „krüppelhafte“ Männer. Daniel Hildmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dokumentationszentrums, berichtete, dass das Heim innerhalb von zwei Tagen geräumt werden musste. Bald rollten vier ehemalige Postbusse durchs Land und sammelten systematisch Menschen mit Behinderungen ein, die in Grafeneck umgehend ins Gas geschickt wurden. Ort des Verbrechens war eine Holzbaracke auf dem Gelände des ehemaligen Jagdschlosses der württembergischen Herzöge.

Die Kickers-Fans erfuhren, dass die Horror-Baracke in den 90-er Jahren abgerissen wurde. Man kann es als weiteres Indiz dafür ansehen, dass die Erinnerungskultur erst sehr spät eingesetzt hat. „!Nie wieder“ darf so etwas Menschenverachtendes geschehen. Darüber waren sich die Fans bei der abschließenden Gesprächsrunde im Gestütsgasthof Marbach einig.

Eine Bildergalerie folgt in Kürze…

Unser Dank geht an die Partnerschaft für Demokratie Stuttgart, die kurzfristig ganz unkompliziert Fördergelder für die Fahrt bereitgestellt hatte!